Social Networks, Communication Services – wählerisch(er) sein?!

Nicht die Vielzahl an Werkzeugen ist das Problem. Sondern einen geeigneten Werkzeugkasten dafür zu finden und Dateninkonsistenz bzw. fehlende Struktur bezüglich Kontaktverwaltung.

Man hatte Kontaktpersonen, Adressen, Telefonnummern, in Notizbücher geschrieben. Wir hatten Mobiltelefone. Da waren auch Personen, Kontakte, und Telefonnummern eingespeichert. Man war verwirrt(wir geben zu, sind es heute noch immer), weil man beim Einspeichern eines neuen Kontaktes gefragt wurde „Auf dem Telefon oder auf der SIM-Karte?“. Naheliegend war „Sim-Karte“, weil so beim Wechseln des Telefons keine Daten verloren gingen. Naheliegend war aber auch „Telefon“, weil die Telefon-Kontakte-Datenbank, je nach Hersteller, in der Regel mächtiger weil umfassender war – da konnte man zB auch E-Mail- und Wohnadressen hinzufügen. Diese Wahl hatte man – Sprechen (telefonisch, persönlich), Schreiben (Brief, E-Mail, SMS).

Stichwort „E-Mails am Handy“: „Warum?“ hat man sich gefragt. E-Mails vom Handy aus zu senden ist schließlich teuer und umständlich. E-Mails schreibt man vom Computer aus. Am Computer: Instant Messaging wurde immer beliebter. ICQ-Kontakte wurden immer vielzähliger. Microsoft mit „MSN“ war da. Vielen war nicht bewusst, dass man auch eine existierende E-Mail-Adresse zur Registrierung beim MSN-Instant-Messaging-Service verwenden konnte und wurden gleich einmal mit einer hotmail- oder live-Adresse zwangsbeglückt. Obwohl man ja schon eine hatte, in der Regel vom Internet-Provider. Zusätzlich hat man wahrscheinlich noch vom Arbeitgeber eine persönliche E-Mail-Adresse verpasst gekriegt.

Facebook-Boom erreichte Europa. Facebook-Chat wurde immer beliebter – auch das ist Instant-Messaging. Auf der Uni bekommt man dann wieder eine eigene, persönliche E-Mail-Adresse. Skype war soundso immer schon toll. Firmen können ein internes Kommunikationsnetz über die Blackberrys der Mitarbeiter spannen – quasi Firmeninterna-Instant-Messaging. „Google Wave“, sagt Google, ist wieder „ganz etwas anderes“. Bei Twitter registrieren wir uns auch noch – Micro-IM. „Google Buzz“ regiert derzeit die Tech-affine Berichterstattung. Wir kriegen so viel Werbung auf unsere hotmail-Adresse, dass wir drauf pfeifen und uns doch glatt kostenlos bei GMX registrieren – „hunnybunny1983“ soll unser „Username“ sein. „Mist!“ denken wir uns, weil wir uns per E-Mail bei einem Unternehmen bewerben wollen und diese Adresse nicht gerade Seriösität ausdrückt. Also soll es zusätzlich Google’s Gmail sein.

Wir alle bekommen wegen unserer „Punkte“ und „Bonusstufen“, die wir ergattern und hochklettern, von unserem Mobilfunk-Betreiber immer tollere und mächtigere Geräte „geschenkt“, weil wir so treue Kunden sind. Also lesen wir auch unterwegs elektronische Post, weil diese mächtigen Geräte das ja können. Wir haben uns im Internet ein bisschen schlau gemacht und „abonnieren deswegen RSS-Feeds“ und lesen diese auch unterwegs. Doch abends kommen wir nach Hause und unser Mail-Programm wirft uns eine „Sie haben 89000 neue E-Mails!“-Meldung an den Kopf. Weil, je nach E-Mail-Adressen-Anbieter, keine Synchronisation stattfindet.

Unser Firmenkalender gurkt in einem Outlook herum. Zuhause haben wir aber ein MacBook, da gibt’s ja kein Outlook[sic!]. Vom Chef haben wir einen BlackBerry bekommen – neue Handynummer. Privat haben wir uns, wegen der tollen Werbung, ein iPhone zugelegt. iTunes will nicht mit Lotus Notes zusammenarbeiten. Wir haben das Passwort für unser Firmen-Intranet-Chat-Netzwerk vergessen. Wir sind nun über 83 Kommunikationskanäle erreichbar. Doch es ist nicht bequem, weil in unseren auf 57 Servern dieser Welt und auf 5 im Privatbesitz befindlichen Geräte verteilten „persönlichen“ Kontaktlisten, Adressbüchern, Chaos herrscht. Der Fritz heißt im Skype „Fritz_da_Cat“ und hat die ICQ-Nummer „104538409528374059273“, auf Facebook und XING gibt er aber schon seinen echten Namen an. Wir wollen ihm eine Mail an seine Firmen-Adresse schreiben, aber bekommen die Nachricht „Message couldn’t be delivered.“, weil er nicht mehr dort arbeitet. Unsere chello-Adresse lässt sich nicht am iPhone einrichten. „Ausgangsserver konnte nicht gefunden werden.“ sagt es uns nur. Wer hilft mir? Die bei Orange kennen sich nicht aus, soll ich bei Apple anrufen? “Apple ist nur etwas für reiche Kids und funktioniert ja garnicht”, denkt man sich. iChat, dieses Programm mit der Sprechblase, geht nicht, der fragt immer nach einer komischen „AIM“-Nummer. Was, bitte schön, ist „Jabber“? Wieso funktioniert der Facebook-Chat out of the box in iChat und was ist MobileMe? Werden gedruckte Visitenkarten irgendwann einmal aussterben?

„Braucht der Mensch wirklich diese Vielzahl an digitalen Kommunikationsmitteln?“-Diskussionen gibt es täglich neu zu finden, wenn man Google bzw. Online-Präsenzen von (Tages-)Zeitungen bemüht oder mit Facebook-„Hassern“ Smalltalk führt, darum geht es hier heute nicht. Es geht um Ausdruck von Verwirrung.

Wir sind verwirrt. Wir machen Blog-Einträge dieser Art – einer unangenehm unstrukturierten Art wie man sie von unseren “Kontaktlisten” kennt. Oder wir lesen sie. Und können nichts damit anfangen. Oder doch?


Über Manuel Faderny

Apple Sales Professional; Business/Law Student; Vienna
Dieser Beitrag wurde unter Analog, Digital abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Social Networks, Communication Services – wählerisch(er) sein?!

  1. Pingback: Elektronische Post – E-Mails (wirklich) im Griff. « vahdeani

  2. Pingback: Untitled « vahdeani

  3. Pingback: Eigenständige Apps für Facebook, Twitter und Co. – wie sie funktionieren und Empfehlungen am Mac « vahdeani

  4. Pingback: There REALLY is an app for that – auch am Mac. « vahdeani

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s