Benutzerordner am Mac in die Cloud legen – Dateien, Dokumente, Bilder usw. – Teil 2

Fortsetzung von diesem Artikel.

Kurzübersicht:

  1. Ordner in iCloud Drive erstellen (Finder)
  2. Dateien transferieren (Finder)
  3. Benutzerordner löschen (Terminal: rm)
  4. Symbolische Links erstellen (Terminal: ln)

Bevor man das standardmäßige Verhalten von OS X außer Kraft setzt/verändert, so wie wir es hier in dieser Anleitung tun, sollte man immer ein aktuelles Backup seiner Daten durchführen. Weiters ist zu bedenken, dass es möglich ist, dass nach einem Apple Update eventuelle Änderungen rückgängig gemacht sein bzw. ein unerwartetes Verhalten des Systems auftreten könnte. Hier im konkreten Fall verändern wir sowohl Teile der Benutzerverwaltung von OS X, als auch das Service iCloud (Drive), das von mir benutzte System ist El Capitan 10.11.4 Wir können nicht vorhersehen, welche eventuellen Veränderungen seitens Apple in diesen beiden Systemen passieren werden, deshalb noch einmal der Hinweis: Backup machen, besser eines zu viel als eines zu wenig.

(Meine persönliche Vermutung ist, dass Apple irgendwann das Ablegen aller Mac OS X Daten in die iCloud erlauben wird; dass wir uns irgendwann überhaupt nur mehr über einen Server am Mac anmelden werden, ein bisschen analog zu iPad und iPhone, wo wir uns ja bereits heute über die Apple ID identifizieren; aber wann es so weit sein wird, steht in den Sternen…)

Jeder Benutzer im Mac OS X hat folgende, nennen wir sie „Spezialordner“, zur Verfügung und sieht diese im Finder, und kann Dateien darin ablegen, logisch. Weiters ist es so, dass bestimmte Apps so programmiert sind, gezielt auf diese Ordner zuzugreifen. Ein Browser zB schnappt sich den Downloads-Ordner und setzt diesen als Standardordner für Downloads fest. Wer zB Pixelmator oder andere Bildbearbeitungssoftware verwendet, bemerkt, dass der Bilder-Ordner immer der erste ist, der einem bei Öffnen… oder Sichern… vorgeschlagen wird. Photo Booth legt die Foto-Mediathek ebenfalls dort hin. Und nahezu jedes andere Programm schlägt den Dokumente-Ordner in Speichern-/Öffnen-Dialogen vor.

Spezialordner Standard

Nun könnte man immer wieder, in jedem Dialog, zum iCloud-Ordner navigieren und den richtigen Unterordner aussuchen, wenn man weiß, dass das Dateien sind, auf die man auch von iOS Geräten aus zugreifen will bzw. einfach sichergehen möchte, dass diese „doppelt“ (also lokal auf der Festplatte und in der Cloud) gespeichert sind (den iCloud Drive-Ordner kann man zwecks schnellerer Navigation über Finder/Einstellungen in der Seitenleiste ein- und ausblenden).

Was aber, wenn man -immer- in der iCloud Drive speichern möchte, ohne es explizit wiederholt festlegen zu wollen? Wenn man will, dass eigentlich nichts „nur“ auf der lokalen Festplatte liegt, sondern eben auch in iCloud Drive? Dazu müsste man dem Betriebssystem sagen: „Hey, mein Dokumente-Ordner liegt nicht da wo du es annimmst, mein Downloads- und mein Bilder-Ordner auch nicht! Ich zeige dir wo.“ Und das tun wir hier.

Hinweis: man sollte sich halbwegs sicher im Mac OS X fühlen bzw. wissen was das Terminal ist bzw. wozu es gut ist bzw. mir ist nicht klar, ob ich es 100 % schaffe das alles so einfach wie möglich zu erklären was hier passiert.

Abhängig von der eingestellten Systemsprache präsentiert uns der Finder die „Spezialordner“ mit unterschiedlichen Namen. Wer den Mac auf Englisch eingestellt hat sieht in seinem user folder „Pictures“, „Documents“, usw., auf Deutsch analog dazu „Bilder“, „Dokumente“, usw. Unter der Haube allerdings heißen die Ordner immer gleich, die englischen Wörter bestimmen den tatsächlichen Namen des Ordners, werden dann abhängig von der Systemsprache „übersetzt“ (über eine .plist gematcht, das nur als Hintergrundinformation).

Lässt man sich über das Terminal (am besten über spotlight, cmd-Leertaste suchen und ausführen) den Inhalt vom user ordner anzeigen (in der Kommandozeile „ls“ ohne Anführungszeichen tippen und mit Enter bestätigen), erhält man folgende Liste (mindestens):

ls im user ordner Standard

(1) Ordner auf iCloud Drive erstellen

Im iCloud Drive-Ordner legen Apps, für die man es aktiviert hat, automatisch Ordner an, in denen die jeweiligen Daten abgelegt werden (App-Bibliotheken). Ich habe mir, um meine -eigenen Dateien- logisch von den automatisiert generierten zu trennen, im iCloud Drive Ordner einen Ordner namens „Files“ erstellt – siehe ganz unten im Screenshot (man kann den Ordner natürlich nennen wie man möchte).

Bildschirmfoto 2016-03-29 um 18.58.54

Als Unterordner von Files habe ich „Temp“ erstellt. Da sollen meine Downloads landen. Der Name hilft mir dabei mich zu zwingen, die sich ansammelnden Dateien regelmäßig „auszumisten“ und (im Nachhinein) richtig einzusortieren. Auch hier gilt: man kann den Ordner nennen wie man möchte.

Dann habe ich einen Unterordner „Bilder“erstellt.

(2) Dateien aussortieren/transferieren

Bevor wir uns ans Terminal wagen sortieren wir unsere Dateien aus. Ich habe alles, was mir aus dem Dokumente-Ordner auf der Festplatte wichtig ist, in den Files-Ordner auf iCloud Drive verschoben, und Unwichtiges gelöscht. Im Downloads-Ordner habe ich Unwichtiges gelöscht, Dinge, die ich behalten möchte, habe ich in den Temp-Ordner verschoben. Den Inhalt des Bilder-Ordners habe ich in den Bilder-Ordner auf iCloud Drive verschoben (inkl. Photo Booth-Mediathek).

Ergebnis auf der Festplatte, in unserem gewohnten „alten“ Benutzerordner: Der Dokumente-, der Downloads- und der Bilder-Ordner sind leer.

(3) Ordner löschen

Jetzt löschen wir diese Ordner, die wir lokal nicht mehr benötigen. Über den Finder funktioniert das nicht, das System würde uns sagen, dass diese Ordner „benötigt“ werden und verweigert das Löschen über den gewohnten Weg mit einer Fehlermeldung. Deshalb müssen wir das über das Terminal machen.

Wir stellen sicher, dass wir im Benutzerordner sind und führen für jeden Spezialordner, den wir nicht mehr benötigen, folgenden Befehl (ohne Anführungszeichen) aus: „sudo rm -rf Ordnername“, im Fall vom Dokumente-Ordner sollte das so aussehen (wie bereits erklärt, obwohl wir im Finder den deutschen Ordner-Namen sehen, heißt der Ordner unter der Haube anders, ist auf Englisch benannt):

rm Spezialordner löschen

Für Dokumente also: sudo rm -rf Documents

Für Bilder: sudo rm -rf Pictures

Für Downloads: sudo rm -rf Downloads

Achtung: vor Ausführen der Befehle (= mit der Enter-Taste bestätigen) auf Nummer sicher gehen, dass die Ordner leer sind, denn der Parameter -f in -rf löscht den Ordner inkl. Unterordner, und das ohne Rückfrage. Da wir dem Löschbefehl rm das Wort sudo voranstellen, werden wir nach dem Administratorkennwort gefragt, welches wir natürlich bestätigen müssen.

(4) Symbolische Links erstellen

Was wir jetzt noch tun müssen: dem System mitteilen, wo ab nun unsere „Spezialordner“ zu finden sind.

Für jeden Ordner, den wir systemtechnisch in die iCloud manövrieren möchten, legen wir einen sog. symbolischen Link an. Der Befehl dazu lautet „ln -s Zielordner Linkname“. Es ist dann nämlich so: wenn wir den Link „Pictures“ nennen und den Zielordner mit …iCloud Drive/…/Bilder festlegen (da wo wir ihn im vorigen Schritt erstellt haben), dann denkt das Betriebssystem der Ordner im iCloud Drive wäre jener Bilder-Ordner im Benutzerordner und würde lokal auf der Festplatte liegen – was er aber natürlich, wie gewünscht, nicht mehr tut. Wir täuschen das Betriebssystem sozusagen zu unserem Vorteil.

So, jetzt wird’s ohne Video vielleicht schwierig zu verstehen was ich meine, aber ich bin zuversichtlich:

im Terminal die symbolischen Links erstellen, im Fall von Dokumente: Terminal öffnen, sicherstellen, dass wir im Benutzerordner sind, und (ohne Anführungszeichen) „ln -s“ (gesprochen: lnLEERTASTEBINDESTRICHs) eingeben. Dann noch ein Leerzeichen. Noch nicht Enter drücken. Dann gehen wir zum Finder und suchen uns den von uns gewünschten Dokumente-Ordner aus (in meinem Fall Files). Wir markieren den Ordner und ziehen ihn mit der Maus in das Terminal-Fenster, wo wir den noch unvollständigen Befehl eingetippt haben. Das führt dazu, dass der richtige Pfad und ein weiteres Leerzeichen automatisch eingefügt wird und Tippfehler sind so ausgeschlossen. Noch nicht Enter drücken. Dann hängen wir (ohne Anführungszeichen) „~/Documentsan. Das Tilde-Zeichen bekommen wir über die Tastenkombination alt-n (Eselsbrücke: Senõr). Der Befehl ist fertig. Wenn wir jetzt Enter drücken, wird der Link erstellt. In meinem Fall ist der Files-Ordner in iCloud nun der user folder „Dokumente“.

Bildschirmfoto 2016-03-29 um 19.17.33

Für den Downloads- und den Bilder-Ordner gehen wir genauso vor, wichtig ist aber natürlich, sich den richtigen Ordner im Finder zu suchen und ins Terminalfenster nach „ln -s“ reinzuziehen, und so den richtigen Pfad einzutragen. Als Linknamen für Downloads nehmen wir „~/Downloads“ und für Bilder „~/Pictures“.

In meinem Fall sehen die Befehle so aus:

Dokumente:

ln -s /Users/mfaderny/Library/Mobile\ Documents/com\~apple\~CloudDocs/Files ~/Documents

Bilder (liegt bei mir innerhalb des Dokumente-Ordners, ist aber natürlich Geschmacksache):

ln -s /Users/mfaderny/Library/Mobile\ Documents/com\~apple\~CloudDocs/Files/Bilder ~/Pictures

Downloads (heißt bei mir Temp und liegt ebenfalls im Dokumente-Ordner):

ln -s /Users/mfaderny/Library/Mobile\ Documents/com\~apple\~CloudDocs/Files/Temp ~/Downloads Fertig.

Ab jetzt akzeptiert das Betriebssystem und auch jede App, die diese Spezialordner out of the box verwendet, unseren neuen Platz in iCloud Drive.

Man kann, wenn man das möchte, auch für den Musik- oder den Filme-Ordner genauso vorgehen. Ich habe darauf verzichtet, weil ich dort nicht wirklich etwas habe, das ich auch vom iPad aus erreichen möchte; weiters ist das Upload-Volumen dann sehr hoch (jede Änderung im iCloud Drive-Ordner wird ja live ins Internet synchronisiert, und im Falle vom Musik-Ordner (wo bei mir eigentlich nur iTunes Apple Music temporär speichert) wäre das unnötig).

(Weiters ist es so, dass man mittels mv im Terminal die Ordner verschieben könnte (anstatt kopieren und danach löschen). Da ich aber auch mit den Namen und der Hierarchie nicht zufrieden war, habe ich einen anderen Weg gewählt. Dieser ist how-to-technisch auch generischer denke ich. Wer möchte, dass Downloads Downloads heißt und Dokumente Dokumente, benennt die Zielordner einfach genau so und kann trotzdem meine angegebenen Schritte anwenden.)

Vorteile:

  • wirklich alles an einem zentralen Platz in der Cloud
  • kein (nerviges) Navigieren in App-Datei-Dialogen (speichern, öffnen, usw.)
  • ein Nebeneffekt: alle Daten sind in der Cloud sozusagen gesichert. Wird die MacBook-Festplatte defekt, sind Dokumente-Ordner und co. trotzdem in iCloud Drive zu finden.

Nachteile:

  • unter Umständen speicherintensiv in der iCloud. Ohne kostenpflichtigen/größeren iCloud Speicherplatz macht das Verfahren wohl wenig Sinn.
  • es ist unklar, ob das Verfahren beim nächsten Mac OS X Update noch funktioniert
  • jede Änderung im iCloud Drive benötigt Datenvolumen (Upload), abhängig davon wie schnell/langsam die Internetanbindung also ist, kann das häufige Synchronisieren störend wirken.
  • keine fancy icons/Bildchen mehr für Downloads-Ordner und co.

Weitere Links

  • wer den -gesamten- user-Ordner auf eine externe Festplatte speichern möchte (um zum Beispiel Speicherplatz auf der lokalen Platte zu sparen oder ein „mobiles User-Profil“ für mehrere Macs zu haben), der sollte diese (englische) Anleitung ansehen
  • wir haben hier in dieser Anleitung iCloud Drive verwendet. Ähnliche Vorgehensweise ist es bei DropBox. Hier findet man eine Erklärung wie man das bewerkstelligen kann.
  • Hinweis: ich habe beide Varianten nicht getestet, die Links sind das Ergebnis einer kurzen Google-Recherche

Ein Gedanke zu „Benutzerordner am Mac in die Cloud legen – Dateien, Dokumente, Bilder usw. – Teil 2“

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